Herford, 12. Dezember 2019

Vom Zappelstrom zur »Schnapsidee Elektroauto«

, Westfalenblatt

Prof. Hans-Werner Sinn referiert beim 21. Erich-Gutenberg-Forum

Herford (HK). Als »Beschäftigungstherapie«, die die deutsche Industrie vor große Probleme stelle, aber keine nachweisbaren Effekte auf das Weltklima habe, hat Prof. Hans- Werner Sinn im Marta die bisherigen Maßnahmen im Zuge der Energiewende beschrieben.

Der ehemalige Präsident des Münchener ifo-Instituts beleuchtete am Montag vor Teilnehmern des Erich-Gutenberg-Forums kritisch die »Möglichkeiten und Grenzen der deutschen Energiewende«. Die Industrie befinde sich in einer kräftigen Rezession und Für Deutschland sieht Sinn noch ein Sonderproblem, entstanden durch die Klimapolitik und die CO2-Richtlinie für Autos. Der Doppelausstieg bei Atomkraft und Kohle gestalte sich schwierig. Denn von 642 Terawattstunden deutscher Stromproduktion resultierten 53 Prozent aus fossilen und 36 Prozent aus erneuerbaren Energien. Sinn: »Wenn wir Atom und Kohle ersetzen wollten, müssten wir die Zahl der Wind- und Solaranlagen verdreifachen, bei Elektrifizierung des Verkehrs reden wir sogar von einer Verfünffachung – mit entsprechendem Flächenverbrauch.«

Schon jetzt würden aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) jährlich 25 Milliarden Euro Zusatzkosten auf die Strompreise umgelegt. Bei den privaten Haushalten liege Deutschland mit 30,43 Cent pro Kilowattstunde EU-weit bereits an der Spitze. Das EEG bezeichnete der Wissenschaftler als »völlig nutzlos: Es beißt sich mit einem anderen Steuerungsinstrument, dem Emissionshandel«. Denn der regele bereits die Menge an CO2, die emittiert werden dürfe. »Das Ganze ist nur ein riesiges Subventionsprogramm für Solar- und Windflügelhersteller.«

Als Problem benannte Sinn die Schwankungen bei der Stromerzeugung durch Wind- und Solaranlagen: Dieser »Zappelstrom« müsse aber abgenommen werden – egal, ob benötigt oder nicht. Um die Schwankungen ausgleichen zu können, blieben Parallelstrukturen mit konventionellen Kraftwerken unverzichtbar. Falle an sonnigen oder windigen Tagen zu viel »grüner Strom« an, werde der Strompreis negativ: »Allein Pfingstsamstag 2019 hat Deutschland mehr als 40 Millionen Euro dafür gezahlt, dass jemand den überschüssigen Strom abgenommen hat.« Wenn Strom nicht zu Abfall werden solle, dürfe der Anteil der Wind- und Sonnenenergie 50 Prozent nicht übersteigen. Als »Schnapsidee« wertete er Elektroautos: Die EU-Verordnung über den Flottenverbrauch zwinge Hersteller, diese Fahrzeuge zu produzieren. Dabei liege der Co2-Ausstoß eines E-Golf, der mit Strom aus deutscher Produktion fahre, sogar über dem des Dieselautos. Trotz enormer Anstrengungen der Europäer sei eine Trendwende beim weltweiten CO2-Ausstoß nicht erkennbar.

Prof. Sinn schloss mit einem Plädoyer »für einen Kurswechsel hinzu Varianten einer Energiewende, die größeren Erfolg versprechen«. Dazu zählt er sichere neue Atom-kraftwerke, die Speicherung von CO2 und Aufforstung, Quellensteuer, weltweiten Emissionshandel für CO2 – und einen »Climate Club« williger Länder, in dem der bestraft wird, wer sich nicht an die Einsparungsziele hält.

Zu Beginn hatte Michael Heidkamp, Vorsitzender der Erich-Gutenberg-Gesellschaft, die Stipendien 2019 an die Studierenden Iris Voß, Philipp Hege und Florian Nolte übergeben.



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