Herford, 12. Dezember 2019

Vom kranken Mann zum Superstar

, Herforder Kreisblatt

Prof. Dr. Christian Dustmann referiert beim Erich-Gutenberg-Forum über den Aufstieg Deutschlands

Herford. Mit seinen Überlegungen über den Aufstieg Deutschlands vom "kranken Mann Europas zum wirtschaftlichen Superstar" hat Prof. Dr. Christian Dustmann international für Aufsehen gesorgt. Am Montagabend war der Wissenschaftler. der zurzeit am University College London lehrt. Referent des 16. Erich-Gutenberg-Forums im Museum Marta.

Für Prof. Dustmann war der Auftritt in Herford quasi eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. "Ich habe am Friedrichs-Gymnasium das Abitur gemacht", stellte sich der Okonom, der in Bünde aufgewachsen ist und an der Universität Bielefeld studiert hat, seinen rund 140 Zuhörern vor. Beeindruckt zeigte er sich vom Veranstaltungsort. "Marta ist groß für Herford. Und es wäre schön, wenn Herford mit Marta wachsen würde." Sein Artikel über den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands, den er gemeinsam mit drei Co-Autoren verfasste und der 2014 im Journal of Economics erschien, machte Prof. Dustmann zu einem gefragten Mann bei Zeitungen und Fernsehsendern in Deutschland, Frankreich und England.

Anfang der 90er Jahre, so lauteten seine Überlegungen, habe die deutsche Wirtschaft aufgrund einer Dezentralisierung der Lohnverhandlungen in bisher unbekannten Ausmaßen eine grundlegende Veränderung erfahren. "Das führte zu einer dramatischen Verringerung der Arbeitskosten und zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen." Möglich machte das die unerwartet große Flexibilität des Tarifsystems, das auf unabhängige Verhandlungen zwischen Arbeitgebern, Betriebsräten und Gewerkschaften basierte. Nicht entscheidend für den wirtschaftlichen Aufstieg seien dagegen die Hartz-Reformen, die die Politik erst zehn Jahre später im Jahr 2004 begonnen hatte. "Die Lehre, die andere europäische Länder daraus ziehen können, ist die Dezentralisierung der Lohnverhandlungen und die Einfüihrung von Betriebsräten." Doch häufig stießen solche Forderungen auf taube Ohren bei der Politik. "Der Vorstand von Fiat verlangte unabhängige Lohnverhandlungen, doch die italienischen Gewerkschaften wollten nicht nachgeben. Mit dem Ergebnis, dass Fiat jetzt in Südamerika produziert," nannte der Referent ein Beispiel. Begonnen hatte die Veranstaltung mit einem Erfahrungsbericht von Lena Bussemas aus Verl. Die 26-Jährige hatte als Praktikantin bei Miele und Bertelsmann gearbeitet und dabei recht unterschiedliche Erfahrungen mit der Unternehmenskultur der beiden Konzerne gemacht. Bussemas war eine von drei Stipendiaten, die der Vorsitzende der Erich-Gutenberg-Gesellschaft Michael Heidkamp den Besuchern des Forums vorstellte. Sina Gläser und Stephan Helweg werden ebenfalls von Erich-Gutenberg-Gesellschaft gefördert.



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