Herford, 12. Dezember 2019

Tobi bringt schon mal den Cafe

, Neue Westfälische

Erich-Gutenberg-Gesellschaft bringt Herforder Unternehmer ins CITEC

Herford/ Bielefeld. "Nimm die Banane und lege sie in den Korb", sagt Michael Meier zu seinem Roboter, er sagt es natürlich auf Englisch. Der über dem Tisch schwebende Kollege fährt seine Hand aus, tastet das auf dem Tisch liegende Obst ab und greift sich die Banane - er hat sie durch Abtasten identifiziert.

Zwei Zimmer weiter ist sein Kollege Tobi damit beschäftigt, seinem Programmierer einen Kaffeebecher zu reichen - eine seiner leichteren Übungen- "Und hier", Professor Ulrich Rückert zeigt auf ein Maschinenwesen mit sehr fließenden Bewegungen, "haben wir einen Arbeitsroboter, der nicht mehr hinter Gitter muss, weil er selbst merkt, wenn er irgend wo stört."

Die Herforder Besucher staunen nicht schlecht. Dabei bekommen sie auf ihrer Blitztour durch Labore des Forschungszentrums CITEC der Uni Bielefeld nur Häppchen von dem zu sehen, woran 250 Wissenschaftler
hier arbeiten - "technische Systeme intuitiv bedienbar zu machen", wie Professor Rücker es ausdrückt.

Die Erich-Gutenberg-Gesellschaft lädt einmal im Jahr zum "Unternehmergespräch", diesmal gemeinsam mit der
Sparkasse ins CITEC. Es geht um Digitalisienmg und Industrie 4.0. Und als ob die Begegnung mit den in wunderbar entspannter Atmosphäre tüftelnden Forschern nicht beeindruckend genug wäre, haben sie einen der besten 4.0-Praktiker dazu gebeten, Dr. Eduard Sailer, Geschäftsführer bei Miele.

Miele arbeitet (natürlich) mit dem CITEC zusammen: Die Herforder können beobachten, wie ein Miele-Saugroboter auf seiner Geisterfahrt über einen Teppich beobachtet wird - zwecks Optimierung. Ein anderes CITEC-Team versucht
herauszufinden, was künstliche Intelligenz in der Küche kann - zum Beispiel zur Unterstützung kulinarischer Aktivitäten.

Das CITEC ist ausdrücklich offen für Kooperationen mit der heimischen Wirtschaft und arbeitet besonders gern mit Mittelständlern zusammen, so Rückert. In immer mehr Firmen sind in Bielefeld programmierte Roboter am Werk, die
die Produktion verbessern. Im Vorzeigeprojekt IT's OWL sind die CITEC-Leute von vielen OWL-Firmen gefragt. Die Liste der Praxis-Partner aus dem Kreis Herford ist allerdings überschaubar. Immerhin gehört Hettich dazu. Die
Beschlag-Spezialisten interessieren sich dafür, wie Bewegungen in Möbeln durch Robotik unterstützt werden können. Und im Bünder Miele Werk (früher Imperial) sind in der Dampfgarer-Produktion Montagewagen unterwegs, die mittels Hallen-GPS und Transpondern auf den richtigen Weg gebracht werden und den jeweiligen Montagestatus auf Tablets dokumentieren, berichtet Miele-Vorstand Sailer in seinem Vortrag. Doch schneller als in der Fertigung, so seine These, beschleunigt das "Internet der Dinge" (seine Definition von Industrie 4.0) den Wandel der Produkte und Märkte.

Das Kochfeld "spricht" mit der Dunsthaube, der Heizungsregler mit dem Hausschlüssel und alle mit dem Smartphone.
"In zehn Jahren", so Sailer, "werden Sie keine Hausgeräte mehr kaufen, die nicht vernetzbar sind, umd andere Geräte auch nicht." Das Auto wird zur Datenschnittstelle, die Waschmaschine zur Zugabe für ein Waschmittelabo. Und wenn Google demnächst die Emotionen der Autofahrer lenkt, werden sogar die großen Autokonzerne nervös. "Wir dürfen uns in unseren angestammten Systemen nicht sicher fühlen", mahnt er. Und noch eimnal: "Fühlen Sie sich nicht sicher."



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