Herford, 12. Dezember 2019

Tarifpolitik sorgt für Wachstum

, Neue Westfälische

Wirtschaftswissenschaftler aus dem Kreis Herford

Kreis Herford. Die Hartz-IV-Reformen haben Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit erhöht und sind wie die Wirtschaftspolitik maßgeblich für die gute wirtschaftliche Lage verantwortlich - so eine gängige Meinung, die nun aber unter anderem von einem Wirtschaftswissenschaftler aus dem Kreis Herford infrage gestellt wird.

Christian Dustmann, Professor für Volkswirtschaftslehre am University College in London, zurzeit Gastprofessor an der renommierten US-Universität Harvard - und gebürtiger Bünder -, hat die Wandlung Deutschlands vom "kranken Mann Europas zum ökonomischen Superstar" jetzt zusammen.

Christian Dustmann kommt mit weiteren Wissenschaftlern aus Großbritannien und Deutschland zu einem überraschenden Eregbnis, das er jetzt beim 16. Erich-Gutenberg-Forum im Marta vorstellte. Danach ist der Erfolg der bundesdeutschen Wirtschaft vielmehr auf die Flexibilität des Lohnfindungssystems zurückzuführen, insbesondere auf die Tarifautonomie aber auch auf die Arbeit der Betriebsräte.

Dieses, so Christian Dustmann in seinem Vortrag, erlaube eine Dezentralisierung des Lohnfindungsprozesses und habe dadurch zu einer dramatischen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Volkswirtschaft beigetragen.

Die Lohnstückkosten in Deutschland seien flächendeckend über alle Industriezweige gefallen, was die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportindustrie deutlich verbessert habe.

Dagegen stellt sich in anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Situation anders dar: "In anderen Ländern, wie zum Beispiel Italien und Frankreich, ist die Lohnfindung starrer und es gibt Eingriffe des Staates", erklärte Dustmann, der im Jahr 1979 sein Abitur am Herforder Friedrichs-Gymnasium gemacht und danach Wirtschaftswissenschaften im benachbarten Bielefeld, aber auch im amerikanischen Athens studiert und später in Florenz promoviert hatte. Daher habe man auch Frankreich geraten, das Tarifsystem zu flexibilisieren.

Wie gut die Lohnfindung in Deutschland funktioniere, zeige sich auch anhand der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Möbelindustrie oder aber von anderen ostwestfälischen Unternehmen wie Miele, erklärte der gebürtige Bünder im Vorfeld seines Vortrags.

Die auf englisch verfasste Studie ist im Internet herunterladbar unter der Adresse:
http://www.cream-migration.org/publ_uploads/CDP_06_14.pdf



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