Herford, 12. Dezember 2019

Karriere-Rückbau - eine neue Aufgabe

, Neue Westfälische

Laura Schrötgens erhielt den Erich -Gutenberg-Preis für eine ungewöhnliche Studie

Kreis Herford. In vielen Unternehmen werden neue Formen des Übergangs von der Arbeitswelt in den Ruhestand erprobt. Der Begriff "Karriere-Rückbau" macht die Runde. Eine junge Bielefelder Betriebspsychologin hat das Thema jetzt in ihrer Abschlussarbeit untersucht und dafür in Herford den Erich-Gutenberg-Preis erhalten.

Bei ihren Studien war die jetzt 23 Jahre alte Maren Schrötgens auf ein vom Herforder Personalentwicklungsprojekt
MACH2 betreutes Lemgoer Unternehmen gestoßen, die Gebr. Dasseler GmbH. Es ist ein Familienunternehmen, mehr als 1.000 Mitarbeiter, Weltmarktführer bei Zahnbohrern, sehr geringe Personalfluktuation - und gerade mit einem Preis für vorausschauendes Personalmanagement ausgezeichnet.

"Hier hatte man die Erfahrung gemacht, dass eine Reihe von Führungskräften Probleme mit dem abrupten Ausscheiden aus dem Erwerbsleben hatten", berichtet die junge Personalentwicklerin, die an der Fachhochschule
Bielefeld bei Prof. Dr. Bernd Helbich ihren Bachelorabschluss machte. So dachte man in der Personalabteilung über alternative Ausstiegsmodelle nach, die den Bedürfnissen dieser Mitarbeiter ebenso entgegenkommen wie dem Ziel des Unternehmens, das Erfahrungswissen seiner langjährigen Leistungsträger möglichst lange nutzen zu können.

"Bislang gibt es kaum wissenschaftliche Literatur darüber", sagt die junge Betriebspsychologin. Für viele ist der Begriff "Karriere" mit einer stetigen Vorwärtsbewegung verbunden. Dass speziell am Ende des Berufslebens auch ein schrittweiser Abbau von Stress und Verantwortung, ebenso von Macht und Einkommen, möglich ist, ist vielen fremd.

Für ihre Studie bei Dasseler befragte sie elf über 55-jährige Führugskräfte. Ergebnis: Der Ruhestand liegt für sie noch in weiter Ferne; ihre Arbeitsplatzzufriedenheit ist hoch; sie schätzen ihr Aufgabengebiet, beherrschen den Stress und verschwenden noch keine Gedanken an die Zeit danach.

"Vielleicht unterschätzen sie das Problem des Ausscheidens", überlegt die Autorin - und regt gezielte Informationen durch die Personalabteilung an. Allerdings sollten diese nicht zu früh erfolgen. Zwei Jahre vor dem Ausscheiden - das sei eine gute Zeit.

Ein stufenweiser "Karriere-Rückbau" muss nicht unbedingt mit dem Ende der Erwerbszeit enden - er kann, so
die Autorin, auch darin bestehen, dass man seinem Unternelunen auch darüber hinaus weiter zur Verfügung steht - zum Beispiel für besondere Projekte oder zur Abdeckung von Auftragsspitzen.

Maren Schrötgens, die sich inzwischen mit einer Onlineplattform für Karrieren im Gesundheitswesen ( www.gesundheitshelden.eu) selbstständig gemacht hat, ist sicher, dass die Notwendigkeit, Karrieren stufenweise zurückzubauen, demnächst häufiger als Herausforderung für Personalmanager auftauchen wird.



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