Herford, 18. November 2019

Industrialisierung 4.0 bei Steute

, Neue Westfälische

Das Unternehmergespräch wurde in Löhne veranstaltet. Studenten werden dort für ihre Arbeit ausgezeichnet. Es geht auch um die Veränderung von Start Ups.

Löhne. Ein heute gegründetes Start-up kann zukünftig zum Familienunternehmen werden, erforschte Jennifer Maasjost in ihrer Bachelorarbeit. Beim Unternehmergespräch der Erich-Gutenberg-Gesellschaft in den Räumender Steute Technologies wurde sie für ihre Bachelorarbeit ausgezeichnet. Den Preis für die beste Masterarbeit nahm Volker Herzig für seinen Studenten Philipp Kruse entgegen, da dieser aufgrund seiner eigenen Hochzeit verhindert war.

Anschließend gab Stefan Schmersal, geschäftsführender Gesellschafter der Steute Technologies, einen Einblick in sein Familienunternehmen und referierte über Chancen und Anforderungen der Industrialisierung 4.0.

„Der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist uns wichtig“, sagte Michael Heidkamp. Der Vorstandsvorsitzende der Herforder Erich- Gutenberg-Gesellschaft erinnerte an das Jahresthema Digitalisierung, das sich wie ein roter Faden durch die diesjährigen Veranstaltungen zieht. „Erich Gutenberg ist einer der Päpste der Betriebswirtschaft, seine drei Bände muss man durchgearbeitet haben“, sagte Stefan Schmersal augenzwinkernd.

Die Gesellschaft vergibt Preise für die besten eingereichten Bachelor- und Masterarbeiten, die in diesem Jahr an Jennifer Maasjost und Philipp Kruse verliehen wurden. „Familienunternehmen galten lange als verstaubt, antiquiert und unattraktiv gegenüber Konzerten. Doch mittlerweile sind sie stark und selbstbewusst“, begann Christina Hoon von der Universität Bielefeld ihre Laudatio für ihre Studentin Jennifer Maasjost.

In der Region gibt es 140.000 Familienunternehmen, das sind 90 Prozent der Firmen. „Sie haben eine große Wirtschaftskraft, die auch in Zukunft bestehen bleiben muss.“ Jennifer Maasjost hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit der Frage beschäftigt, wie Familienunternehmen entstehen. „Ein Start-up von heute ist das Familienunternehmen von morgen, wenn es innerhalb der Familie weitergegeben wird. Für manche Gründer ist die Exit-Strategie interessant, das bedeutet einen Verkauf der Geschäftsidee und schneller Gewinn. Doch andere Gründer haben Interesse daran, ihr Unternehmen zu führen. Die Rolle des Unternehmers kann sexy sein“, sagte Christina Hoon. Zustimmendes Nicken und Lachen kam aus den Reihen der Zuhörer.

„Die Überraschung über meinen Gewinn war umso größer, da ich nicht wusste, dass meine Arbeit eingereicht worden war“, sagte Jennifer Maasjost. Sie gab einen Einblick in ihre Forschungen über Nachfolgeintentionen in insgesamt 15 bis zu sechs Jahre alten Firmen in Ostwestfalen.

„In Nicht-Familienunternehmen überwiegen Entscheidungen aufgrund finanzieller Aspekte. In Familienunternehmen spielen auch emotionale Aspekte eine Rolle“, sagte sie. „Exit-Strategien sind für ostwestfälische Unternehmer ein Fremdwort.“ In der Region werden Familienunternehmen Insgesamt positiv bewertet, war ihr Fazit.

Nach dem „spannenden Blick auf junge Unternehmen“, so Michael Heidkamp, überreichte er den Preis für die beste Masterarbeit an Volker Herzig von der Fachhochschule Bielefeld, stellvertretend für seinen Studenten Philipp Kruse. „Er hat heute etwas Besseres vor und heiratet im Ausland“, so Herzig augenzwinkernd. Seine Abschlussarbeit im Masterstudiengang Personalmanagement und Organisation zum Thema „Die Mitarbeiterbefragung als partizipatives Analyseinstrument der Organisationsentwicklung“ wurde von beiden Prüfern mit der Note 1,0 bewertet. „Die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter ist ein sensibles Thema voller vertraulicher Informationen“, sagte der Wissenschaftler. „Die Mitarbeiterbefragung hilft, Schwachstellen im Unternehmen zu erkennen.“

Im Anschluss an die Preisverleihung gab Stefan Schmersal einen Einblick in den Werdegang des mittelständischen Familienunternehmens Steute Technologies und seine aktuellen Herausforderungen. Das 1961 gegründete Unternehmen entwickelt und fertigt mit inzwischen mehr als 350 Mitarbeitern am Standort Löhne hochwertige Schaltgeräte, Sensoren und Funknetzwerke für Industrie und Medizintechnik.

„Unsere Technik lebt von Innovationen“, sagte Stefan Schmersal und sprach von Ostwestfalen als dem „Schwabenland des Nordens“ und „einer der innovativsten Regionen Deutschlands“. „Der Kunde will heute eine Komplettlösung für sein Problem. In der Industrie 4.0, der vierten Stufe der Industrialisierung, werden digitale Prozesse vernetzt und Netzwerke aufgebaut.“ Anhand von Beispielen erläuterte er die „Themen, an denen wir heute arbeiten“. Mit einem geselligen Imbiss klang die Veranstaltung aus.



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