Herford, 12. Dezember 2019

Einblicke in die digitale Welt

, Neue Westfälische

Ibrahim Sevran sieht Gefahren, beklagt Wissensdefizite und warnt vor Google&Co

Kreis Herford. Er findet, dass die Deutschen mehr über die digitale Weh wissen müssten. Die "spontane digitale Evolution", die das Leben eines jeden Einzelnen fundamental verändert, geht ihm viel zu schnell. Er warnt vor der Allmacht von Google&Co. Und er fordert eine ethische Debatte.

Mit solchen Botschaften zieht der Warendorfer Internet-Geschäftsmann Ibrahim Evsan durch die Lande. Der 40-jährige hat mehrere. Start ups gegründet und ein Buch geschrieben. Er betreibt einen Blog und ist gerade auf der CeBit mit mehreren Vorträgen am Start.

Auf dem Weg dahin machte er in der Sparkasse Herford Station, wohin die Erich-Gutenberg-Gesellschaft ihn eingeladen hatte. Evsan ("Ich lebe Social media") sollte die Frage beantworten, "was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen". Nun ist das wirklich keine leichte Frage: Sparkassen-Vorstand Horst Prüßmeier hatte zuvor angedeutet, wie die Bankenwelt durch digitale Vertriebskanäle aufgemischt wird. Ein Herforder Autohändler erinnerte daran, dass seine Branche durch das Internet gerade komplett umgekrempelt wird. Ähnliches sagen die Einzelhändler, die Wissenschaftler, die Medienleute, die Industriebetriebe - eigentlich alle. 180 Zuhörer waren gekommen.

Und was sagt Ibrahim Evsan? "Jeder sollte darauf achten, wie er mit seinen Daten umgeht", beginnt er seinen Vortrag. "Wir werden zu internet-normierten Menschen; wir passen uns den Geräten an", warnt er. In wenigen Jahren werden wir alle die Apple-watch haben, die Daten über den Gesundheilszustand erfasst.

Amazon wird den Versicherungsmarkt aufrollen, Google kauft Weltraumkonzerne, Google und Apple revolutionieren den Zahlungsverkehr; durch den 3D-Drucker wird alles, was ich in der Hand halte, zu einer Datei und wird ausdruckbar sein."

Die deutsche Wirtschaft hat in der Sicht des Referenten alle diese Trends verschlafen, die Herrscher der digitalen Welt befinden sich in den USA und die NSA mit ihrer Datensammelwut ist über Gesetze nicht mehr erreichbar.

An dieser Stelle widerspricht der Herforder IT -Unternehmer Frank Prekwinkel: "Ich sehe auch für Deutschland große Chancen in der digitalen Welt", sagt er. Auch andere Zuhörer werfen dem Redner eine gewisse "Schwarz-Weiß-Darstellung" vor. Seiner Grund-These von der "vollkommenen lnnovationswut" in der "spontanen digitalen Evolution" mag allerdings niemand widersprechen.

Evsan, im Münsterland geboren und aufgewachsen, wirbt für maximale Aufmerksamkeit: Man soll offen sein für die Welt des "digital zuerst" - offen für neue Gedanken und für eine neue Ethik-Debatte. Und nicht zuletzt soll man sich klarmachen, dass "wir permanent digital analysiert, berechnet und eingeordnet werden". Dafür hält er am Ende einen Werbeblock in eigener Sache bereit: "Reputation ist in der digitalen Welt steuerbar" - unter anderem mit Hilfe einer von ihm gegründeten Firma.

Evrans Vortrag löste lebhafte Debatten aus. Dabei war nicht zu übersehen, dass etliche Besucher auch beim Smalltalk am kalten Buffet mit ihren Smartphones hantierten - junge Leute tun das laut Sevran täglich in Durchschnitt vier Stunden.



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