Herford, 18. Februar 2020

Die Zombies sind schon unter uns

, Neue Westfälische

Manfred Spitzer spricht über die Kehrseiten der Digitalisierung und sucht Bündnispartner für seinen Kampf gegen die "Lernverhinderungsmaschinen"

Herford. Kuscheln mit den Herren der digitalen Welt ist Manfred Spitzers Sache nicht. Der Arzt und Bestsellerautor geht hart ins Gericht mit Facebook, Apple, Google und Co. „Digitale Medien sind dem Lernen abträglich,“ sagt der Professor, wenn er sachlich formuliert. Wenn er wütend ist, klingt das so: „Wir machen planvoll unsere Kinder kaputt, in dem wir sie mit digitalen Medien zumüllen.“ Wenn ein besorgter Lehrer so etwas sagt, würden die Kids ihn womöglich als uncool ausbuhen. Wenn der sehr unterhaltsam erzählende Gehirnforscher und Chefarzt an der Universitätsklinik Ulm das vor über 200 Zuhörern auf dem 17. Erich-Gutenberg-Forum im Marta ausdrückt, bekommt er riesigen Beifall. „Was er sagt, lässt niemanden kalt, er wühlt auf und polarisiert“, hat Gastgeber Michael Heidkamp eingangs versprochen. So war es. „Wer Computerspiele verschenkt, schenkt schlechtere Noten und Schulprobleme“, sagt der doppelte Doktor (der Medizin und Philosophie). Wer viele digitale Spiele spielt, leidet öfter unter Aufmerksamkeitsdefiziten, Einsamkeit, Depression, Schlafstörungen. In Schulen mit Handyverbot werden die Leistungen besser. „Wenn Sie WLAN in die Klassen legen, nimmt die Lernleistung ab.“ Weltweit steigt die Zahl der Mediensüchtigen und damit die Zahl empathie-, willen- und seelenloser junger Leute.“ Spitzer: „Die Zombies sind schon unter uns.“ Zum Beleg dieser Warnungen führt der Redner eine Vielzahl internationaler Studien ins Feld. Andererseits, so Spitzer: „Es gibt keine Studie, die einen positiven Zusammenhang zwischen IT-Investitionen und Lernerfolgen von Schülern beweist.“ Trotzdem werde die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen, selbst der Kindergärten, immer weiter voran getrieben - und immer mehr Menschen würden krank und/oder lernten nicht mehr. Gegen die Gesundheitsgefährdung durch den grassierenden maßlosen Medienkonsum sei das Rauchen „ein Klacks“. sagt der Arzt, der hier eine mächtige Lobby am Werk sieht, erfolgreicher als die Nikotin-Lobby früherer Jahre. „Er hat Recht“, sagen die Älteren, die weder Smartphone noch Facebook nutzen. Ebenso spricht Spitzer vielen anwesenden Pädagogen aus der Seele. Im Lauf des Vortrags wird er immer kämpferischer: „Ich kann das hier nicht emotionslos vortragen.“ Sein Gegenentwurf klingt banal und trotzdem für einige revolutionär: Was dem Gehirn gut tut, ist Sport, Musik, Theaterspiel, Miteinander in der Familie, Begreifen statt Mausklicks. „Computer", so der Professor, „sind Lernverhinderungsmaschinen“. Spitzer will etwas verändern. Er setzt auf kritische Eltern, aber auch auf die Wirtschaft: Die Gehirne unserer Kinder sind doch unsere Zukunft. „Unsere Jugend“, das ist sein letzter Satz, „hat es verdient, dass wir uns besser um sie kümmern.“

Begeistert von der OWL-Unternehmenskultur

Herford (hab). Für Karoline Bobel ist OWL eine Region, in der sich gut studieren lässt. Die angehende Betriebswirtin und Stipendiaten der Erich-Gutenberg-Gesellschaft hielt jetzt auf dem 17. Erich-Gutenberg-Forum im Marta einen Vortrag über ihre Beweggründe, nach dem Bachelor-Studium in Duisburg und einem Erasmus-Semester in Dänemark in den Osten von NRW zu wechseln. „Es ist faszinierend zu erleben, wie vernetzt die Universität mit der Wirtschaft der Region ist - und immer wieder erstaunlich, wie viele interessante Unternehmen es hier gibt.“ Vor allem schwärmt sie vom Bestenprogramm „BU2BU“. was für „best untergraduates to Bielefeld University“ steht und ständigen Praxiskontakt der Teilnehmenden garantiert - vom Vortrag von Gerd Seidensticker über kleine Forschungsaufträge, Betriebserkundungen bei Hettich oder Claas bis zur Vergabe von Abschlussarbeiten. Sie selbst schreibt ihre Masterarbeit bei Nobilia. Bobel: „Es ist mein Ziel, Teil dieser mittelständischen Familienkultur zu werden.“ Die Gutenberg-Gesellschaft vergibt jedes Jahr Stipendien für den BWL-Nachwuchs. ln diesem Jahr wurden außer ihr Daniel Dyck und Julian Wille (je 3.000 Euro) und Philipp Lütkemeyer (wie Sobel 1.500 Euro) gefördert.



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