Herford, 30. April 2017

Ohne Zuwanderung steht unsere Zukunft auf dem Spiel

, Westfalenblatt

Erich-Gutenberg-Gesellschaft: Tim Kähler zum Thema »Migration«

Herford (HK). Migration ist eine ökonomische und kulturelle Herausforderung: Die Chancen, die Zuwanderung für Wirtschaft und Gesellschaft eröffnet, beleuchtete Bürgermeister Tim Kähler am Montag vor Mitgliedern und Gästen der Erich-Gutenberg-Gesellschaft.

»Ohne Zuwanderung steht unsere Zukunft auf dem Spiel!« überschrieb Kähler seinen Vortrag. Schon jetzt lebten mehr als 100 Nationalitäten in Herford: »Für uns ist Zuwanderung nichts Neues.« Weltweit seien 60 Millionen Menschen auf der Flucht, fast 218 000 seien 2014 über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Weder Meer noch Mauern könnten Menschen von Flucht abhalten. Bedauerlich sei, dass die EU über Jahrzehnte versäumt habe, Fluchtursachen zu verringern: »Bis heute hat die EU keine nachhaltige Einwanderungs- und Entwicklungspolitik.« Handlungsbedarf sieht Kähler bei einer qualifizierten Zuwanderungssteuerung und EU-einheitlichen Regelungen.

Ziel müsse sein, Verfahren zu beschleunigen, Migranten schneller zu schulen und zu integrieren, damit die Gesellschaft von ihnen profitieren könne. Klar sei: »Wir sind auf sie angewiesen.« Kähler erinnerte an die Taxibranche, verwies aber auch auf den Gesundheits- und Pflegesektor: »Der wird ohne Arbeitsmigration in Zukunft nicht darstellbar sein.« Ein Problem: »Viele Zuwanderer wollen arbeiten, aber sie dürfen nicht.«

Die Stadt Herford wachse schneller als geplant. Allerdings hätten die meisten Neubürger keinen Migrationshintergrund: »Die Masse an Zuwanderern waren auch 2015 nicht Flüchtlinge.« Der Nettozuzug der jüngeren Vergangenheit speise sich in erster Linie aus dem EU-Ausland, vor allem Rumänien und Polen. Auch Syrien sei stark vertreten. Gut beraten sei die Stadt, in Kitas und Schulen, aber auch in Sprachförderung zu investieren, betonte Kähler.

Bundesweit ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seinen Angaben zufolge seit 2010 um fast 3,2 Millionen Personen gestiegen. 40 Prozent des Zuwachses gehe auf Beschäftigung von Ausländern zurück, insbesondere aus Osteuropa (800 000 Menschen). »Ohne Nettozuwanderung würde das Bruttoinlandsprodukt um zwei Zehntel geringer ausfallen.« Ein positiver Effekt sei vor allem von Menschen im Alter von 20 bis 40 zu erwarten, wenn diese rasch in den Arbeitsmarkt integriert würden. »Wir müssen eine Menge Geld investieren, aber es wird sich langfristig rechnen«, ist Kähler überzeugt: »Aufgrund der demografischen Entwicklung muss es Deutschland und der EU gelingen, durch qualifizierte Zuwanderung seine Wachstumsdynamik zu erhalten und zu stärken. « Mit Blick auf weiteres Bevölkerungswachstum werde Herford in die Bildungsinfrastruktur investieren - und auch massiv Wohnungsbau betreiben müssen: »Dafür haben wir beispielsweise sieben Hektar Entwicklungsfläche in bester Lage auf dem Stiftberg.«



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