Herford, 12. Dezember 2018

Klima beeinflusst Energie der Zukunft

, Westfalenblatt

EWE-Vorstandschef referiert bei der Erich-Gutenberg-Gesellschaft

Herford (HK). »Die Welt in zehn Jahren« ist das Leitthema der Erich-Gutenberg-Gesellschaft für 2018/19. Einen Ausblick in die »Zukunft der Energie« gab Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender des Versorgungsunternehmens EWE AG, am Donnerstag beim 20. Forum der Gesellschaft im Marta.

»Wir haben eine Zeit von viel Veränderung - und die Geschwindigkeit wird noch deutlich zunehmen«, sagte Dohler. Der Klimawandel sei in Deutschland ein großer Antrieb in der Frage, wie die neue Energiewelt gestaltet werden solle: »Wenn wir nicht deutlich umschwenken beim Thema Treibhausgase, werden wir unseren Nachkommen ein echtes Problem bescheren. Als Unternehmen haben wir eine große Verantwortung für eine klimaneutrale Zukunft.«

Ziel sei, Schritt für Schritt den Ausstoß an klimaschädlichen Gasen zu beschränken. Gut ein Drittel der in Deutschland erzeugten Strommenge stamme inzwischen aus erneuerbaren Energien. Dadurch werde weniger CO2 ausgestoßen: »Wir haben jedoch bisher nur eine Stromwende, noch keine Energiewende«, gab Dohler zu bedenken. So sei etwa im Verkehrssektor der Ausstoß nicht reduziert und auch im Wärmebereich – wo gut 1400 Terrawattstunden Energie größtenteils aus Gas und Öl benötigt würden - gebe es noch großen Handlungsbedarf.

Seit etwa zehn Jahren gebe es in Deutschland fast keine Senkung der CO2-Emissionen: »Wir haben in erneuerbare Energien investiert, gleichzeitig aber laufen die Kohlekraftwerke weiter.« Deutschland habe mit 2,5 Prozent am globalen C02-Ausstoß nur einen marginalen Anteil. China baue jedes Jahr neue Kohlekraftwerke und erhöhe so die globalen Emissionen. Dennoch sei Deutschland mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie und der Entwicklung wettbewerbsfähiger Technologien auf dem richtigen Weg und habe viele andere Länder überzeugt. Ein großer Fehler sei es, dass Deutschland im Gegensatz zu Ländern wie China die Förderung der Solarindustrie nicht wirtschaftsstrategisch genutzt, den eigenen Wirtschaftsstandort nicht ausreichend unterstützt habe. Bei den erneuerbaren Energien verwies Dobler auf das starke Nord-Süd-Gefälle.

Zur Übertragung der Übermengen aus dem Norden und Nutzung in Süddeutschland fehlten immer noch Leitungskapazitäten. Überschussstrom müsse daher anderweitig nutzbar gemacht werden. Energieeffizienz sei ein großes Thema: »Die beste Kilowattstunde ist die, die nicht verbraucht wird«, spielte Dohler auf die aus seiner Sicht minimale energetische Sanierungsquote im Altbaubestand an. Im Individualverkehr rolle die Elektrowelle an. Dennoch sei zu beachten, dass ein E-Auto zwischen 80.000 und 120.000 Kilometer fahren müsse, um ökologisch sauberer zu sein als ein Diesel. Für die Energiebranche sieht Dobler noch große Chancen. Die Dynamik der Entwicklungen dürfe aber nicht unterschätzt werden. Wichtig sei, das Verhalten der Kunden besser zu erfassen, um sie beispielsweise mit Smart-Home-Angeboten noch effizienter versorgen zu können. Entscheidend sei, Antworten auf die Frage zu finden: »Welche Fähigkeiten brauchen wir in zehn Jahren?«

EGG-Vorsitzender Michael Heidkamp stellte Nele Bertling als Stipendiatin des Jahres 2018 vor. Die 21-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften hat acht Monate in China verbracht. Vor den 100 Gästen berichtete sie über »die neue Seidenstraße« - ein 900 Milliarden Dollar teures Verkehrsinfrastrukturprojekt der Chinesen, die ihre Position als globale Wirtschaftsmacht stärken und in Zukunft Waren auf dem Landweg schneller nach Europa bringen wollen als per Seefracht.



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