Herford, 24. August 2017

Integration gelingt nur über die Arbeit

, Westfalenblatt

Erich-Gutenberg-Gesellschaft diskutiert über Migration

Herford (HK/wst). Welche Herausforderungen die Migration an einen Unternehmer stellt, wollte die Erich-Gutenberg-Gesellschaft von Cord Budde, Geschäftsführer der Ludwig Weinrich GmbH in Herford, und von Dr. Hans-Ulrich Sorgenfrei, Vorstand Lukas-Krankenhaus Bünde, wissen. Die Diskussion im Betriebsrestaurant »Henkelmann « der Archimedes Facility-Management GmbH fand vor rund 70 Zuhörern statt.

»Dass Menschen ihren Lebensmittelpunkt von ihrem Heimatland nach Deutschland verlegen würde, ist nichts Neu es«, stellte Cord Budde zu Beginn fest. Er könne sich noch gut an die türkischen Frauen erinnern, die Ende der 60-er Jahre bei Weinrich begonnen haben, zu arbeiten. »Heute haben 40 Prozent von rund 320 Mitarbeitern einen Migrationshintergrund «, so Budde. Das läge einmal daran, dass Weinrich Menschen ohne Ausbildung Arbeit bieten könne, zum anderen an der Weltoffenheit des Unternehmens. »Wir exportieren in 6o Länder und importieren Rohstoffe aus 20 Ländern.« Menschen aus 26 verschiedenen Nationen würden heute bei dem Schokoladen Hersteller arbeiten.

»Wir haben keine kulturellen Probleme, aber klare Regeln. Religionsausübung ist während der Arbeitszeit nicht erlaubt. Wer sich daran nicht hält, hat bei uns nichts verloren«, stellte Budde fest. Die Integration werde nur über die Arbeit gelingen. »Es ist daher sträflich, dass die Asylverfahren bei uns so lange dauern.« Die Migration stelle eine riesige Chance für Deutschland dar.

Auch das Lukas-Krankenhaus mit seinen 320 Betten und 720 Mitarbeitern beschäftigt viele Migranten. »Auf einer Station haben von 18 Ärzten sieben einen Migrationshintergrund«, sagte Dr. Hans-Ulrich Sorgenfrei. Die Herausforderungen aber stellten sich gänzlich anders dar als bei der Firma Weinrich.

Von seinen Ärzten erwarte das Krankenhaus eine hohe Qualifikation, soziale Kompetenz, einen guten Umgang mit den Patienten, Teamfähigkeit und die Bereitschaft zum Wochenend- und Nachtdienst. Bei der Beschäftigung ausländischer Ärzte gebe es Hürden zu überwinden. Dr. Sorgenfrei nannte in dem Zusammenhang die Anerkennung der Qualifizierung, die mangelnden Sprachkenntnisse und die kulturellen Unterschiede. So habe er bereits erlebt, dass ausländische Mediziner erhebliche Schwierigkeiten hatten, die Rolle der deutschen Frau zu akzeptieren oder gar Weisungen von weiblichen Vorgesetzten zu befolgen. Mangelhaft sei die Überprüfung ausländischer Ärzte durch die Bezirksregierung. »Ob der Arzt das kann, was in seinen Papieren steht, prüft sie nicht und Defizite bei der Sprachprüfung teilt sie nicht mit.«



Zurück