Herford, 18. Dezember 2017

Erinnerungen an "Kurven-Erich"

, Neue Westfälische

19. Forum: Die Erich-Gutenberg-Gesellschaft feiert 20-jähriges Bestehen. Auf dem Bildungscampus dachten die Mitglieder an die Anfänge.

Herford. „Da müssen wir doch was draus machen“ - was mit einem solchen Satz alles auf den Weg gebracht werden kann, konnten die Gäste am Donnerstagabend auf dem Bildungscampus erleben. Es waren die Worte von Hans-Christoph Wieszner, die 1997 fielen und auf die Taten folgten.

Wieszner, ehemaliges Mitglied im Sparkassen-Vorstand, hatte Bezug darauf genommen, dass Erich Gutenberg, der „Papst der Betriebswirtschaftslehre“, im Jahr 1997 100 Jahre alt geworden wäre. Was er draus machte: Wieszner gründete die Erich-Gutenberg-Gesellschaft, die am Donnerstagabend ihr 19. Forum dafür nutzte, Geburtstag zu feiern. Und Christoph Wieszner eine Ehrenmitgliedschaft in Aussicht zu stellen.

Horst Prüßmeier, seit 1997 Geschäftsführer der Erich-Gutenberg-Gesellschaft, war bei der Gründungsversammlung dabei. „Das Ganze war in 40 Minuten erledigt und hält jetzt schon 20 Jahre", sagte Prüßmeier. In ihrer Abwesenheit wurde damals Dr. Ursula Brinkmann als Vorsitzende gewählt. 2011 übergab sie den Staffelstab an Michael Heidkamp. Am Donnerstag erinnerte sich die erfahrende Ökonomin, die als eine der ersten Frauen in Deutschland als Topmanagerin Karriere gemacht hatte und für große Firmen wie Massey Ferguson, Reemtsma, Claas und Hanomag gearbeitet hatte, an Erich Gutenberg. „Im Sommersemester 1951 war ich an der Uni Köln“, erzählte sie. Ihr Vater bat sie darum Gutenberg Grüße auszurichten, schließlich sei er ein Klassenkamerad gewesen.

Brinkmann gehorchte - und entdeckte durch den alten bekannten des Vaters die Betriebswirtschaft für sich. „Vorher fand ich BWL stinklangweilig", so Brinkmann. Die Wissenschaft sei ein Flickenteppich gewesen, vom Rechnungswesen dominiert. Erich Gutenberg hatte das mit seinem Werk „Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre“ geändert. Er entwickelte eine ganzheitliche Theorie, die Grundlage der Betriebswirtschaft wurde. „Wir nannten ihn Kurven-Erich", erinnerte sich Ursula Brinkmann weiter. Gutenberg sei ein brillanter Analytiker, Theoretiker und Praktiker gewesen. „Durch seine Formeln schien die Praxis durch.“

Ganz praktisch profitieren die Studenten auch heute noch von seinem Lebenswerk - wenn sie ein Stipendium der Gutenberg-Gesellschaft bekommen. In diesem Jahr verkündete Prüßmeier, dass anlässlich des 20-jährigen Bestehens diese um 20 Prozent erhöht werden. Insgesamt habe die Gutenberg-Gesellschaft mehr als 200.000 Euro für Stipendien und als Auszeichnung für Abschlussarbeiten vergeben.

Eine der Stipendiaten aus den vergangenen Jahren ist Prof. Dr. Margareta Teodorescu, die 2004 ein Stipendium bekam und heute einen Lehrstuhl an der FH Bielefeld hat. Sie hielt den Vortrag, der jedes Jahr im Zentrum des Forums der Gesellschaft steht. Ihr Thema: die Globalisierung.

Lokaler hingegen die Rede von Bürgermeister Tim Kähler. Er stellte die Pläne der Stadt rund um die Konversion der alten Kasernen vor. Und sprach von einer „Riesenchance“ für die Stadt. Auch eine Art von „daraus müssen wir was machen."



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