Herford, 12. Dezember 2018

Deutschland hat andere vom Weg überzeugt

, Neue Westfälische

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, weiß, dass es mehr Strom aus Erneuerbaren Energien in Deutschland gibt als tatsächlich genutzt wird. Es fehlen Leitungen

Herford. Wie sieht die Welt in zehn Jahren aus? Dieser Leitfrage geht zurzeit die Erich-Gutenberg- Gesellschaft nach. Beim Forum am Donnerstagsabend im Marta waren gleich zwei wichtige Entwicklungen Thema, die weltweit von Bedeutung sind: Die Energie und die Wirtschaftsmacht Chinas.

Als Gastredner gab Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, einen fundierten und persönlichen Ausblick auf die Zukunft der Energie. Michael Heidkamp, Vorsitzender der Erich-Gutenberg-Gesellschaft (EGG), hatte Dohler mit einem ganz direkten Draht gewinnen können, denn auch Heidkamp sitzt im Vorstand der EWE AG.

Dohlers These: "Wir leben in einer Zeit der Veränderung. Die Geschwindigkeit der Veränderung wird allerdings noch zunehmen." Der Energie-Experte zeigte sich als Umweltschützer. Der Anspruch der Energiewirtschaft müsse eine klimaneutrale Zukunft sein. "Wenn wir nicht deutlich handeln, werden wir unseren Nachkommen ein großes Problem hinterlassen."

Der Anteil Deutschlands am Ausstoß von klimaschädlichen Gasen sei nicht besonders groß: Deutschland produziere nur 2,5 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes. Aber technisch sei von unserem Land ein "riesiger Hub" ausgegangen. "Wir haben in Deutschland Windenergie und Solarenergie groß gemacht und andere mit unserem Weg überzeugt." Um den eigenen Wirtschaftsstandort zu stärken, müsste Deutschland das aber viel strategischer nutzen.

Ein Drittel des deutschen Stromverbrauchs kommt aus Erneuerbaren Energien, weiß Dohler. Mit deutlichem Nord-Süd-Gefälle. Doch um ausreichend Strom aus Erneuerbaren Energien vom Norden in den Süden zu bringen fehle es an Leitungskapazitäten. "Und wir müssen Wege finde, Oberschussmengen in anderen Bereichen nutzbar zu machen." Um der künftigen fortgeschrittenen Digitalisierung zu begegnen sei es wichtig, zu fragen: "Welche Fähigkeiten brauchen wir in zehn Jahren?", betonte Dohler.

Und traf damit den Anspruch der Erich-Gutenberg-Gesellschaft auf den Punkt. Denn mit ihren jährlichen Stipendien fördert die Gesellschaft den Wirtschaftsnachwuchs, der sich an der Uni als besonders leistungsstark erweist. Wie Nele Bertling, Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Bielefeld. Sie schilderte im Marta einen Eindruck von ihrem Auslandssemester in China. Und warf einen Blick auf die neue Seidenstraße, eine interkontinentale Handelsroute, mit der China seine. Wirtschaftsmacht ausbauen will. "Das gibt China ein System zur Prägung der Welt", sagte. sie. Die Frage sei nun: Nutze das nur China, oder auch den Handelspartnern?



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