Herford, 20. Oktober 2017

Der Arbeitsmarkt soll flexibel sein

, Neue Westfälische

Frauke Schwieterts Bestandsaufnahme vor der Erich-Gutenberg-Gesellschaft

Kreis Herford. Personalentwicklung ist ein Schlüsselthema in zahllosen Wirtschaftsunternehmen der Region. Die Erich-Gutenberg-Gesellschaft hat es als Schwerpunkt für das Jahr 2014 ausgesucht. Zum Auftakt stellte die Chefin der örtlichen Agentur für Arbeit ihre Sicht der Dinge dar - und löste gleich eine lebhafte Debatte aus.

"Das Durchschnittsalter unserer Belegschaft", verriet Gutenberg-Vorsitzender und Energie-Manager Michael Heidkamp (Westfalen-Weser-Energie), "liegt bei 50 Jahren." Da geht es seinem Unternehmen noch gut: In anderen Betrieben ist der Altersschnitt weit ungünstiger. Fast jeder zweite Arbeitnehmer im Kreis Herford, stellste Frauke Schwietert fest, ist aktuell älter als 50.

Als Antwort auf diese Konstellation wird oft ein "flexiblerer Arbeitsmarkt" gefordert. Aber es gibt, so die Referentin, bereits heute viel Beweglichkeit - und erhebliche Bewegungen gerade im Kreis Herford.

Dazu gehört, dass kreisweit seit 2004 zehn Prozent aller damaligen (sozialversicherungspflichtigen) Vollzeitjobs verschwunden sind, während Teilzeitjobs bis zur geringfügigen Beschäftigung im Nebenjob im gleichen Ausmaß zugenommen haben. Zugleich schrumpft der Industrieanteil, während die Gesundheitsbranche boomt. Nicht immer sind das auskömmliche Arbeitsverhältnisse, die da neu entstanden sind.

Jede zweite Neueinstellung ist zunächst befristet, wird aber oft in ein unbefristetes Verhältnis überführt - neun von zehn Beschäftigten haben dauerhafte Arbeitsplätze.

Zeitarbeit birgt oft Unsicherheit und schlechtere Entlohnung, kann aber auch eine Chance für Betroffene sein, sagt Schwietert. Sie singt ein Loblied auf das Instrument Kurzarbeit, das in der Krise vielen Betrieben das Überleben gesichert hat. Sie erwähnt "flexible" Modelle wie Job-Sharing, Arbeitszeitkonten, Homeoffice bis hin zur Altersteilzeit.

Den Kreis Herford zeichnet eine hohe Frauenerwerbsquote (die höchste in NRW) aus, zudem im Vergleich relativ starke jüngere Jahrgänge. Schwietert: "Diese Region birgt Potenzial."

Trotzdem ist die Ausbildungsquote aktuell leicht rückläufig, was mit dem viel beklagten Fachkräftemangel nicht zusammenpassen will.

Die Referentin beschränkt sich auf die Darstellung der Gesetzeslage und der Zahlen - die Bewertung überlässt sie ihrem rund 50-köpfigen Publikum. Viele Firmen haben auf die "Überalterung" ihrer Belegschaften längst reagiert - für andere ist es eine sich immer neu stellende Daueraufgabe. Die Gutenberg-Gesellschaft will dafür mobilisieren.



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